Reisebericht meiner Indonesien Rundreise

 

Meine Indonesien Rundreise begann mit einer Bootsfahrt auf Borneo

1. Teil: Borneo

Orang Utans, Nasenaffen und freche Langschwanzmakaken (15.02.-18.02.2015)

Die Nacht in Jakarta war kurz und meine Anreise nach Indonesien zuvor lang. Aber nun ist es bald soweit. Ich sitze im Flieger nach Pangkalan Bun und werde schon in wenigen Stunden den Regenwald Borneos erkunden. Um die Mittagszeit lande ich auf der Insel und werde bereits von meiner netten Reiseleiterin in Empfang genommen. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto erreichen wir die Hafenstadt Kumai und besteigen das Boot, auf dem ich die nächsten eineinhalb Tage verbringen werde. Es handelt sich um ein typisch indonesisches Hausboot, ein Klotok von etwa 2,5 m Breite und 10 m Länge. Oben an Deck befinden sich eine Matratze und ein Tisch, sowie im vorderen Teil ein kleiner „Sessel“, von dem aus man die Natur des Regenwaldes beobachten kann. Nach einem vorzüglichen Mittagessen, welches gleich nach meiner Ankunft an Deck serviert wird, beziehe ich eben diesen Platz im vorderen Bereich des Bootes und genieße die Aussicht. Die Fahrt führt zunächst durch ein breites Flussdelta bevor wir in den Sekonyer River einbiegen. Dieser Regenwaldfluss bildet zugleich die Grenze zum Tanjung Puting Nationalpark, einem der letzten Rückzugsorte für Orang Utans und Nasenaffen. Unzählige Schraubenbäume säumen unseren Weg zu beiden Seiten des Ufers und auch der eine oder andere Langschwanzmakak ist in den dazwischenliegenden Baumgipfeln zu erspähen. Ab und zu macht mich meine Reiseleiterin auf Blatt- und Astansammlungen in den Gipfeln aufmerksam, bei denen es sich um Schlafnester handelt, die sich die Orang-Utans jeden Abend mit viel Geschick neu bauen. Meine Aufregung steigt je weiter wir den Fluss hinauffahren. Werde ich nun auch bald die großen Menschenaffen aus nächster Nähe und in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten können?

 

  Ungefähr zwei Stunden dauert unsere Fahrt bis nach Tanjung Harapan, einer ehemaligen Auswilderungsstation für Orang-Utans, wo die Tiere immer nachmittags noch zusätzliche Früchte erhalten, was sie meistens dankbar annehmen. Nach einem kurzen Fußmarsch durch den Regenwald erreichen wir die Stelle, wo zu unserem Glück bereits die ersten drei Tiere warten. Plötzlich bin ich mittendrin in meinem Orang-Utan-Abenteuer und kann nur staunen: Mit einer unglaublichen Geschicklichkeit und Anmut schwingen sich die großen Primaten lautlos durch die Bäume. Meine Reiseleiterin zeigt lautlos mit dem Finger in die entgegengesetzte Richtung, wo sich ein großes, imposantes Männchen seinen Weg durch die Bäume in Richtung Fütterungsplattform bahnt. Ich erfahre, dass es sich um das dominante Männchen dieser Region handelt. Es scheint sogar in der Laune für Fotos zu sein, schwingt gemächlich über die wartenden Besucher hinweg und schaut in die Kameras, als würde es die ungeteilte Aufmerksamkeit genießen. Einmal hält es auf dem Weg über die Besucher etwa eineinhalb Meter von mir entfernt an einem Baum inne, beäugt die Besucher neugierig und schaut anschließend direkt in meine Kamera. Für mich ein wirklich unvergesslicher Moment. So selten und bedroht sind diese Tiere und ich habe das große Glück, in so kurzer Entfernung zu einem solchen Prachtexemplar in seiner natürlichen Umgebung zu stehen.
Kurze Zeit später treffen die Ranger mit der begehrten Mahlzeit ein und die Orang-Utans bewegen sich wieder gemächlich zur Plattform, etwa 10 Meter von den Besuchern entfernt. Was dann folgt sind etwa 45 Minuten staunendes Beobachten. Dabei kann ich mir das ein oder andere Schmunzeln über das zum Teil verschmitzte Verhalten der Menschenaffen nicht verkneifen. Zum Beispiel über ein jüngeres Männchen, das sich hinter dem Rücken des dominanten Männchens langsam und ganz vorsichtig an die Plattform heranpirscht – ohne dabei je den Blick vom „Chef“ abzuwenden – sich geschwind drei Gurken in den Mund schiebt und sich mit vollen Backen genauso lautlos wieder von der Plattform schwingt. Ein Bild, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
   
     

 

                           
                           
                           
                           
                           
           

 

 

 

 

 

 

 

 Unvergessen bleibt auch unsere anschließende Bootsfahrt in die
Abenddämmerung, die meine Reiseleiterin mit den Worten einleitete
„Nun begeben wir uns auf die Suche nach Nasenaffen“.
Denn diese suchen sich, sobald es dunkel wird, ihre Schlafplätze
direkt in Ufernähe und lassen sich so in den frühen Abendstunden
am besten vom Boot aus beobachten. Und ich muss zugeben, so wunder-
bar die Erfahrung bei den Orang-Utans war, insgeheim sind die Nasenaffen
meine persönlichen „Stars“ von Borneo. Mit ihren großen Nasen und dem
besonders bei den Männchen kugeligen Bauch sind sie zwar bei weitem keine
Schönheiten, aber durch ihr Verhalten schaffen sie es mühelos, den Besucher in
ihren Bann zu ziehen. So sitzen sie neugierig in ihren Bäumen am Ufer, recken den
Hals bei vorbeifahrenden Booten, schimpfen manchmal auch ganz fürchterlich, wenn
sie eigentlich gerade einen gemütlichen Schlafplatz gefunden haben und den Besucher
in die Flucht schlagen möchten. Oder aber sie sitzen zu ungefähr 13 Tieren in einer
Haremsgruppe inklusive Jungtiere auf dem äußeren Ende eines Astes direkt über dem
Fluss, der sich ob des Gewichts gefährlich weit nach unten biegt, sehen dabei nicht wirklich
glücklich mit ihrem Arrangement aus und bekommen es dennoch hin, sich darum zu streiten,
wer nun am nächsten an dem einen Männchen der Gruppe sitzen darf, wodurch sich der Ast noch
weiter nach unten biegt und die Tiere noch weniger zufrieden aussehen – wahrlich ein Bild für die Götter!

 
             
             
             

 

Die Nacht wird ein wenig abenteuerlich, denn ich schlafe direkt an Deck auf der Matratze. Über diese spannt die Crew ein Moskitonetz und lässt an der Seite des Bootes als Schutz vor Regen Planen herunter. Man schläft also direkt auf dem Fluss und kann dabei den Klängen des Regenwaldes lauschen. Wenn auch im ersten Moment etwas ungewohnt, so schläft es sich auf diese Art durchaus erholsam!
Am nächsten Morgen gibt es nochmals die Gelegenheit, an der Fütterungsstation von Pondok Tangui Orang-Utans aus nächster Nähe zu beobachten. Hier sollte man ein wenig mehr Geduld mitbringen, lässt mich meine Reiseleiterin wissen, denn in der Gegend leben etwa 26 Orang-Utans, die zum Teil schon recht selbstständig sind und daher nicht sofort zur Fütterungsstation kommen. Allerdings habe ich auch hier das Glück, nicht lange warten zu müssen, bis sich die Baumkronen in der Ferne zu bewegen beginnen und ein rotbraunes Etwas sich geschickt durch eben diese in Richtung Plattform begibt, die hier etwas näher an den Besuchern ist, als noch in Tanjung Harapan. Es handelt sich um ein junges Männchen, welches schon erstaunlich früh relativ unabhängig von seiner Mutter ist, wie ich erfahre. Die Mutter – inklusive einem dreimonatigem Baby – und sein etwas älterer Bruder lassen anschließend auch nicht allzu lange auf sich warten und genießen sichtlich ihr Morgenmahl, bei dem sie sich nicht stören lassen von den Besuchern, die teilweise um den halben Erdball gereist sind, nur um sie zu sehen.

Boosfahrt in den Regenwald

Die Fahrt geht tiefer hinein in den Regenwald und bald biegen wir in den „black river“ hinein, den Teil des Sekonyer, der sich gänzlich im Nationalpark befindet, wo sich das Wasser aufgrund der hier vorkommenden Pflanzen schwarz verfärbt hat und doch außerordentlich sauber ist. Ziel des Nachmittages ist Camp Leakey, die Auswilderungsstation, in der Dr. Biruté Galdikas lange Zeit über die großen Menschenaffen forschte und sich für ihren Fortbestand einsetzte. Leider macht uns hier das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn kaum haben wir hier unser Boot verlassen, beginnt es in Strömen zu regnen. Ein Zustand der sich auch die nächsten eineinhalb Stunden nicht ändern wird , sodass die Fütterung an diesem Tag leider ausfallen muss. Doch selbst im Falle einer Fütterung, so erklärt man mir, wäre es bei diesem Wetter unwahrscheinlich, einen Orang-Utan zu sehen. Denn bei diesem Regen unterscheiden sie sich auch nicht sonderlich von uns Menschen und suchen sich meist lieber einen geschützten Platz im Blätterdach. So bleibt mir in Camp Leakey nur das Besucherzentrum, in dem über die Tiere, den Nationalpark und die Arbeit des Camps informiert wird. Auch wenn ich heute keinen Orang-Utan mehr leibhaftig zu Gesicht bekomme, so bleiben die Erlebnisse des Morgens und des vergangenen Nachmittags doch noch lange in lebendiger Erinnerung, so dass ich nicht allzu enttäuscht darüber sein kann. Und auch die lustigen Nasenaffen, die sich auch an diesem Abend wieder pünktlich zur Dämmerung am Flussufer versammeln sorgen dafür, dass der Regen des Nachmittags schnell vergessen ist.
Am nächsten Morgen werde ich den Regenwald Borneos wieder verlassen und nach Java reisen. So genieße ich noch ein letztes Mal die Aussicht an Deck, lasse die Eindrücke der vergangenen Tage nochmal Revue passieren und bin gespannt, was die nächsten Tage und die Insel Java für mich bereit halten. Ich bin sicher, auch dort werde ich unvergessliche Eindrücke bekommen.

Ihre Kristin Schichler

 

... zum zweiten Reisebericht - Insel Java hier...

... zum dritten Reisebericht - die Inseln Bali & Komodo hier...

 

Counter